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Bundeswehr Kampfstiefel


Bundeswehr Kampfstiefel
'Neue Art' (2000) Import vs. Haix Modell 2005







1. Fakten

BW Kampfstiefel 'Neue Art' Import
Preis: ca. 80 €
Bezugsquelle: z.B. Ranger Shop
Gewicht: 1135g pro Stiefel
Material: Rindleder, Sohle: Gummi

BW Kampfstiefel Haix Modell 2005
Preis: ca. 170 €
Bezugsquelle: z.B. Ranger Shop
Gewicht: 967g pro Stiefel
Material: Rindleder, Futter: Nappaleder, Sohle: Gummi




2. Erster Eindruck / Die Anprobe

BW Kampfstiefel 'Neue Art' Import

Die BW Kampfstiefel „Import“ erkennt man an dem Indianerkopf-Logo auf der Sohle (Abb. 1). Der Stiefel hat nach dem Auspacken den typischen Ledergeruch. Das genarbte Leder (körnige Struktur, zählt trotzdem als Glattleder) fühlt sich weich an, die Farbe glänzt nicht. Die Nähte sind sauber und gerade. Die Ösen (Schnellschnürsystem) weisen keine scharfen Kanten auf (Abb. 2). Die öl-, wasser- und benzinresistente Sohle macht einen guten Eindruck. Im Schuh befinden sich typischerweise keine Stahlkappen – dies hat aber auch den Vorteil, dass er im Winter nicht ganz so kalt wird. Stattdessen sind zwei flexible Kunststoffkappen verbaut (im Fersen- und Zehenbereich). Insgesamt befinden sich sehr wenig Nähte am bodennahem Schaft (eine, die von der Lasche des 4. Ösenpaares zur Sohle führt, sowie die Naht der Lasche und der Quetschfalte am Haken, die aber oberhalb von ca. 8cm liegen und somit nicht allzu stark beansprucht werden), was vorteilhaft in Bezug auf Dichtigkeit und meiner Meinung nach auch das Aussehen ist (Abb. 3).


Abb. 1-3: Sohle, Schnellschnürsystem und Front-/Seitenansicht


Äußerlich ist am Stiefel im Grunde nichts zu beanstanden, die Verarbeitung ist für den Preis sehr gut.
Die Lasche ist innen liegend und fest mit dem Außenschuh verbunden, dies garantiert, dass kein Wasser in den Innenschuh gelangt und der Stiefel beim Bergabgehen nicht am Spann zwickt. Die Polsterung (Quetschfalte) am Hacken tut ihr übriges. Die Schnürsenkel wirken allerdings etwas anfällig, näheres wird der Praxistest zeigen.
Auch der Innenschuh macht einen guten Eindruck, keine unsauberen Nähte oder Druckstellen irgendwelcher Art. Einziger größerer Kritikpunkt: Es gibt keine Einlegesohle, im Grunde ist die Sohle innen steinhart. Ich empfehle also dringend, sich noch eine passende Einlegesohle dazuzubestellen, mehr dazu in Punkt 6: Fazit und Tipps.


BW Kampfstiefel Haix Modell 2005

Was sofort auffällt ist, dass die Schuhe schlanker wirken bzw. vor allem oben an den Zehen nicht so hoch wie das 2000er Modell. Auch die Sohle ist anders verarbeitet, zwar sieht sie unten fast baugleich aus, jedoch ist sie anders mit dem Schuh verbunden. Während bei der 2000er Version ein Spalt zwischen Sohle und Oberschuh ist, man sozusagen „auf die Sohle“ schauen kann, ist sie bei der 2005er Version komplett verbunden.


Abb. 4-6: Die Haix-Front, Hackenpartien von Import- (l.) und Haix-Schuh (r.) und Seitenansicht Import (l.) vs. Haix (r.)


Der Schuh wirkt dadurch schöner und hochwertiger. Auf der Unterseite prangt das begehrte „Haix“-Logo.


Abb. 7: Sohle des Haix-Schuhs


Die Nähte gleichen sich bis auf die hintere Lasche oberhalb der Knautschfalte. Die Falte ist bei den Haix Schuhen noch weicher und flexibler. Der Innenschuh wirkt bei den Haix-Schuhen ebenfalls hochwertiger, z.B. entsteht bei der Verbindung zwischen hellbraunem Nappaleder und der darüber liegenden „oberen Polsterung“ (mit den Lüftungslöchern) keine „Wulst“ – außerdem ist selbige auch weicher und etwas dicker. Die Ösen gleichen sich hingegen wie ein Ei dem anderen. Weiterer markanter Unterschied der Haix-Schuhe zu den 2000er Importstiefeln: Die vorhandene Einlegesohle, direkt von Haix, namentlich „Klima Fußbett“, waschbar bei 30°C – diese vermittelt natürlich sofort einen angenehmeren Tragekomfort, mit den in Punk 6 – Fazit und Tipps – empfohlenen 5.11 Einlegesohlen sollte sich dieser Vorteil allerdings erübrigen. Trotzdem natürlich erwähnenswert, für alle, die keine extra Sohlen kaufen möchten.




3. Der erste Gehversuch

BW Kampfstiefel 'Neue Art' Import

Das Schnüren gestaltet sich unkompliziert, allerdings nicht viel schneller als bei den normalen Ösen – positiv ist allerdings meiner Meinung nach, dass die Ösen bis auf 2 Stück (das 4. Paar von der Schuhspitze aus) geschlossen sind, und man die Schnürsenkel nicht jedes mal neu einfädeln muss. Die zwei offenen Ösen find ich persönlich etwas hinderlich beim Zuschnüren, da der Schnürsenkel dort jedes Mal rausrutscht und neu eingelegt werden muss. Sie zu benutzen kann dem Schuh aber eine höhere Stabilität geben. Man kann das 4. Paar auch einfach mit einem Schlitzschraubendreher etwas aufbiegen, sodass die Schnürsenkel tiefer hineinrutschen und somit schwerer rausrutschen können.
Im Vergleich zu meinen alten DocMartens ist der Tragekomfort nach dem ersten Anziehen natürlich erstmal bescheiden – das ist aber nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass die Docs sich mit ihrer luftgepolsterten Sohle fast wie Turnschuhe laufen und jahrelang eingelaufen sind. Der BW Stiefel ist außerdem sehr viel schwerer als die Docs und das Leder bzw. die Polsterung ist um einiges dicker, was den Tragekomfort schmälert – allerdings auch für Sicherheit und Stabilität sorgt sowie den Fuß evt. besser klimatisiert. Der Schuh drückt momentan nur leicht am Spann, was aber bedingt ist durch meine feste Schnürung und natürlich auch, weil der Schuh sehr neu ist und erstmal eingetragen werden muss. Beim Hinknien drückt der Schuh zudem spürbar und etwas unangenehm auf die Oberseite der Zehen, was aber bei Stiefeln normal ist, und zudem vermieden werden sollte, da es das Leder sehr stark beansprucht. Die Sohle rollt gut ab und macht einen sehr stabilen Eindruck.
Der Fuß bleibt sehr trocken, das Leder nimmt viel Feuchtigkeit auf und leitet sie vom Fuß weg.


BW Kampfstiefel Haix Modell 2005

Die Anprobe verläuft erwartungsgemäß wunderbar. Man merkt, dass die 2005er leichter sind als ihr Vorgängermodell, und eine Gewichtskontrolle bestätigt dies: Während die 2000er 1135g pro Stiefel wiegen, bringen die 2005er nur 967g pro Stiefel auf die Waage. Einziger Kritikpunkt: Beim in-die-Hocke-gehen drückt der linke Stiefel spürbar auf den Zehen – ich gehe davon aus, dass dies durch das Einlaufen gemindert oder beseitigt wird.
Im Stehen keine Druckstellen irgendwelcher Art, die Sohlen rollen gut ab, der Stiefel rutscht nicht. Der Fuß bleibt sehr trocken, das Leder nimmt viel Feuchtigkeit auf und leitet sie vom Fuß weg.




4. Der Praxistest

BW Kampfstiefel 'Neue Art' Import

Importstiefel: Der erste Tag im Straßengebrauch verlief erfolgreich, die Anpassung des Schuhs ist bereits spürbar. Abgesehen von einigen kleinen Druckstellen am Knöchel und Hacken, die aber keinesfalls sichtbare oder spürbare Spuren auf dem Fuß hinterlassen, trägt sich der Stiefel gut. Das Profil der Sohle ist wirklich bombensicher, Ausrutschen unmöglich.
2. Tag: Nachdem ich den Tag über beim Tragen Druckpunkte am Spann und an beiden Außenknöcheln gehabt habe, hab ich abends kleine gerötete Stellen unterm Knöchel festgestellt. Nach einem Wochenende im Einsatz mit 2 Paar Socken und dünner Leder-Einlagesohle (von meinen alten Stiefeln) waren die Hacken schon ein wenig gerötet, die Ferse hat leicht wehgetan (da kaum gepolstert), die Füße brauchten eine kleine Auszeit. Blasen gibt es jedoch keine. In Verbindung mit den Einlegesohlen sind auch diese Probleme verschwunden, der Tragekomfort ist sehr gut.


Abb. 8: Sohlenprofil Import-Stiefel, bis auf das Logo mit Haix identisch


BW Kampfstiefel Haix Modell 2005

Nach einem Tag kann man nur sagen: Top Schuhe! Sogar bei Sportspielen haben sie eine sehr gute Figur gemacht, kein Drücken oder sonstige Auffälligkeiten, man vergisst einfach, dass man sie trägt, und so sollte es sein; daran ändert auch ein Wochenende im Härtetest inklusive mehrtätigem Marsch und "Kampfeinsatz" nichts. Wie angegossen macht das Schuhwerk alles mit, ob tiefe Schlammgruben oder staubiger Beton. Zuhause angekommen, geht es den Füßen super, keinerlei Beschwerden traten auf, man fühlt sich als ob man noch wochenlang weiterlaufen könnte. Die Äste knacken unter dem Schuh wie Streichhölzer, und man spürt es kaum. Auch Anschleichen ist kein Problem, da der Schuh sehr geräuschdämpfend wirkt. Auch die Lasche wirkte innen weniger verschrumpelt als bei den Importschuhen.


Abb. 9: Vergleich Innenlaschen von Import (l.) und Haix (r.)




5. Vergleich mit "BW Kampfstiefel 'Neue Art' Original"

Unterschiede vom Import- zum Originalstiefel sind
- fehlende Zugschlaufe („Struppe“) an den Importstiefeln zum Durchgreifen mit dem Zeigefinger als Anziehhilfe
- Indianerkopf im Kreis auf der Sohle der Importstiefel, beim Original steht im Kreis ein „LHBw“ in Schulterklappen-Form
- Die Originalstiefel haben eine grüne Einlegesohle im Lieferumfang, bei den Importstiefeln gibt es keine Einlegesohle im Lieferumfang, man läuft auf ziemlich harter Sohle
- Die Schnürsenkel wirken bei den Originalstiefeln um einiges hochwertiger

Details, die sich ähneln / gleichen
- Auf der oberen Innenseite der Lasche ist auch bei den Importstiefeln die Größe eingestanzt, ein Unterschied zum Original ist entgegen mancher Meinungen nicht zu erkennen
- Die Ösen (das "Schnellschnürsystem") scheinen mir absolut baugleich, auf ihnen ist bei beiden Schuhen der Schriftzug „ARK“ zu lesen – bei allen Ösen auf einer Seite richtig rum, bei denen auf der anderen Seite falsch rum




6. Fazit und Tipps

Zusammenfassend kann man beide Schuhe sehr empfehlen. Zwar sind Qualitätsunterschiede erkennbar, die Haixschuhe sind im Grunde das i-Tüpfelchen was Polsterung, Verarbeitung und Komfort angeht, aber auch die Importschuhe können sehr wohl konkurrieren (allerdings nur in Verbindung mit den 5.11 Einlegesohlen).
Ob die Haixschuhe nun wirklich die 90€-130€ Mehrkosten wert sind, bleibt die Frage, ich würde sagen: Der Qualitätsunterschied ist nicht so gravierend, dass man diese Summe investieren muss. Gravierende Unterschiede im Tragekomfort gibt es nicht, und ob dies einen derartigen Aufpreis rechtfertigt, muss jeder für sich entscheiden. Dafür hat man natürlich auch was zum Prahlen, wenn das "Haix"-Logo an der Sohle prangt.


Abb. 10 und 11: Haix-Schuhe nach der Benutzung


Tipps
- Ich empfehle die bei z.B. Recon Company erhältlichen Einlagesohlen von 5.11 – für die Haix Schuhe nicht unbedingt erforderlich (dennoch gut), vermitteln sie vor allem bei den Importstiefeln augenblicklich ein besseres Tragegefühl – muss man mal ausprobiert haben. Blasen gibt es damit auch keine, da der Fuß gepolstert wird und weniger verrutscht.
- Falls die Importschuhe auf dem Spann drücken, z.B. wenn man die Fußspitze nach oben zieht, kann man auch beim Schnüren die zwei Ösenpaare auslassen, die nach unten hin geöffnet sind. Dadurch wird der Spann etwas entlastet und man spart auch viel Zeit beim Schnüren.
- Stiefel nach Gebrauch ausreichend lüften lassen, dazu die Einlegesohlen herausnehmen. Idealerweise benutzt man 2 Paar Stiefel und wechselt jeden Tag, damit der Schuh immer gut trocknen kann. Auf keinen Fall sollte man sie längere Zeit oder regelmäßig an der Heizung trocknen oder absichtlich von innen nass machen (das Leder wird hart).




7. Pflege

Pflege (leicht)
- Schnürsenkel entfernen
- Schuh unter Wasser mit einer Bürste gründlich von Schmutz reinigen
- Sohle abbürsten, Steinchen entfernen
- Schuh von innen mit Wasser und ein wenig Handseife auswischen (schadet dem Leder nicht)
- Schuh gründlich trocknen lassen
- BW Schuhcreme auftragen und überall verteilen, man kann ruhig mehr nehmen
- besonders die Nähte gründlich einreiben, Lasche und Fersenbeuge nicht vergessen
- trocknen lassen
- mit einer zweiten Polierbürste aufpolieren
- Imprägnierspray auftragen und trocknen lassen

Pflege (aufwendiger)
- Schnürsenkel entfernen
- Schuh unter Wasser mit einer Bürste gründlich von Schmutz reinigen
- Sohle abbürsten, Steinchen entfernen
- Schuh von innen mit Wasser und ein wenig Handseife auswischen (schadet dem Leder nicht)
- Schuh gründlich trocknen lassen
- Einlegesohlen entfernen, einen Schuh bei 50-75° für ~5 Minuten in den Ofen stellen (auf einen Rost auf der untersten Schiene), dabei immer aufpassen, dass der Schuh nirgends Kontakt mit dem Ofen hat und das Leder nicht heiß wird sondern nur warm
- Schuh rausnehmen, den anderen Schuh reinstellen. Währenddessen Pflegemittel mit Bienenwachs (z.B. Snow Seal, 200ml bei ASMC 11 €) auftragen (sollte leicht flüssig werden), überall hin schmieren
- Schuh in den Ofen, den anderen Schuh wieder rausnehmen, genauso verfahren
- immer abwechselnd Snow Seal auftragen (während der andere Schuh im Ofen ist), bis der Schuh "gesättigt" ist und kein Snow Seal mehr aufnimmt
- Restliches Snow Seal mit Stofffetzen (altes Hemd) abwischen
- Schuh polieren
- Imprägnierspray aufsprühen
- trocknen lassen
- in den Ofen stellen für 5 Minuten (Wärme aktiviert das Imprägnierspray erst)
- gegebenenfalls ein zweites Mal Imprägnieren, trocknen, erwärmen
- das Leder ist jetzt geschmeidig, perfekt gepflegt und optimal imprägniert. Wenn man ihn unter kaltes Wasser hält, perlt sämtliches Wasser ab und der Schuh sollte absolut trocken bleiben

Diese Pflege sollte auf den Schuh abgestimmt sein, erhitzen des Schuhs wird z.B. bei Membranschuhen evt. nicht hilfreich sein, da das Pflegemittel durchs erhitzen tief eindring und bei Membranschuhen evt. die Membrane verstopft und die Atmungsaktivität verringert. Für Schuhe ohne Membran ist dies aber die mit Abstand optimale Pflege und sollte einige Male im Jahr durchgeführt werden, wenn man dem Schuh etwas wirklich Gutes tun möchte.






Dieser Artikel (Text und Bilder) ist Eigentum des KSK-Berlin und darf ohne ausdrückliche Genehmigung des Verfassers weder ganz noch teilweise kopiert, vervielfältigt, verändert oder in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen verwendet werden.


Autor: thrush
Erstellungsdatum: 06.03.2007
Letzte Änderung: 14.10.2007
Aufrufe:49730
Kommentare (18)

Stichwörter: Review, Test, Bundeswehr, BW, Kampfstiefel, Import, Modell 2000, Haix, Modell 2005


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